
Lebende Bilder
07. April 22.00 Uhr
AUTOBESCHLAGNAHME
Kollektivieren statt Abwracken!
Ihr Auto wurde beschlagnahmt? Regen Sie sich nicht auf, die Proklamation ist neunzig Jahre alt. Aber wären Sie bereit ihr Auto einer Revolution zur Verfügung zu stellen, die aus einer Friedenbewegung hervorging, das Frauen-Wahlrecht einführte und Demokratie von unten nach oben organisieren wollte?
Kurt Eisner (USPD), der erste Ministerpräsident des Freistaats Bayern, wird am 21. Februar 1919 ermordet. Ernst Toller - revolutionärer Pazifist aus Überzeugung und ein begnadeter politischer Redner - übernimmt den Vorsitz der USPD.
Im März wählt der Landtag eine neue Regierung, Ministerpräsident wird Johannes Hoffmann (SPD). Gleichzeitig tagen die Arbeiter- und Soldatenräte weiter.
Am 07. April 1919 rufen Ernst Toller, Erich Mühsam und Gustav Landauer, angespornt vom Vorbild der in Ungarn errichteten Räterepublik, die Münchner Räterepublik aus. Oberstes Regierungsorgan wird der „Revolutionäre Zentralrat“. Die Regierung Hoffmann flieht nach Bamberg.
Diese Räterepublik ist stark anarchistisch geprägt und wird deswegen von der KPD nicht anerkannt und als „Scheinräterepublik“ bezeichnet. Den Sinn der anarchistischen Räterepublik formuliert Erich Mühsam folgendermaßen:
„Der Sinn der Räte ist vorläufig die kapitalistische Gesellschaftsmaschinerie in eine sozialistische zu überführen. Solange das nicht erreicht ist, muss jeder Nichtsozialist und jeder, der als kapitalistischer Unternehmer Lohnangestellte beschäftigt, von der Beteiligung an den Wahlen ausgeschlossen bleiben. Die Räte zu bestimmen und durch sie die öffentliche Gewalt auszuüben, ist ausschließlich das Recht der Ausgebeuteten.“
Um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, beschlagnahmt die Rote Armee Lebensmittellager und Hamsterware, bürgerliches Eigentum (u.a. Autos!) und Wohnraum. In den Betrieben üben die Betriebsräte die Kontrolle über die Finanzen aus und erhöhen die Löhne.
Die anarchistische Münchner Räterepublik besteht nur eine Woche lang. Am 13. April dringt die hoffmanntreue Republikanische Schutztruppe in München ein. Dieser Palmsonntags-Putsch wird von den militärisch gut organisierten Kommunisten unter Max Levien und Eugen Leviné vereitelt. Sie rufen noch am selben Tag im Hofbräuhaus die zweite, kommunistische Räterepublik aus.
Mehr Information zu den Protagonisten unter Die Revolution/Revolutionäre auf dieser Website
Ort: München, Quer durch die Stadt
Kooperationspartner: Aktion mit Dr. Katrin Sorko und Sympathisanten
Die Lebenden Bilder („Tableaux vivants“) finden einmal im Monat statt. Eine Gruppe von Menschen stellt Bilder, bzw. Begebenheiten der Räterevolutionszeit dar. Tableaux vivants sind szenische Arrangements von Personen, die für kurze Zeit stumm und bewegungslos gehalten werden und sich so für den Betrachter zu einem Bild formieren. Sie können durch Deklamieren von Proklamationen oder Kurzlesungen von Texten der Zeit begleitet werden – oder noch ganz andere, überraschende Aktionen im öffentlichen Raum darstellen.
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